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Die Bilder von Markus Lüpertz


Markus Lüpertz ist ein Ausnahmetalent und zählt nicht umsonst zu den bedeutendsten Künstlern unserer Zeit. Die Vielfalt seiner Bilder erscheint grenzenlos, insbesondere weil er ein Faible für Serien, Abfolgen und umfangreiche Projekte besitzt. Er lässt sich von der „äußeren Welt“ ebenso inspirieren wie von seinen Gedanken, Wünschen und Hoffnungen. Er wagt es immer wieder, über den kulturellen Tellerrand zu schauen und weigert sich strikt, einer bestimmten „Schublade“ anzugehören. Er inszeniert sich, inszeniert seine Kunst und haucht – speziell auch seinen Bildern – immer wieder erstaunliches Leben ein.

Ausgangspunkte

Lüpertz ist keinesfalls „Mainstream“. Schon von Anfang an war er Freigeist und Querdenker. Er entwickelte die „Dithyrambische Malerei“, bei der er sich an Dionysos, den griechischen Gott des Weines, der Trauben, der Freude und der Fruchtbarkeit, gleichzeitig auch der Ekstase und des Wahnsinns, anlehnte und andererseits Inspiration bei Nietzsche fand. Mit diesen Arbeiten wurde 1964 die Produzentengalerie „Großgörschen 35“ in Berlin eröffnet, die er mit 15 anderen gründete, um sich künstlerisch und kreativ „abzusetzen“.

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1970 ging er nach Florenz, absolvierte in der legendären Villa Romana sein Stipendium und begann mit den „Deutschen Motiven“. Mit diesen Arbeiten vertiefte er sich in die deutsche Historie und verarbeitete Themen aus der Kriegszeit. In diesem Rahmen entstand anfangs das Monumentalgemälde „Helme sinkend I – dithyrambisch“ und 2004 unter anderem das Bild „Krieg und Frieden“.

 

Im Wandel der Zeit

Am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn verschrieb er sich eher den gegenständlichen Motiven. So entstanden die Mickey Mouse- und Donald Duck-Serien. 1980 folgte der Zyklus „Alice im Wunderland“. Gemäldetechnisch verarbeitete er das Thema „Pierrot Lunaire“ (Melodram von Arnold Schönberg, 1912), das er 1984 auch in Form einer farbenprächtigen Skulptur in die Kunst-Realität holte.

 

Der Landschaftsmaler Jean-Baptiste Camille Corot (1796 – 1875), der die „Schule von Babizon“ propagierte, beeindruckte ihn ebenfalls dermaßen, dass er ihn mit seinen „Bildern nach Corot“ würdigte. Es folgten Serien wie die „Zwischenraumgespenster“ (1986), „Männer ohne Frauen – Parsifal“ (ab 1993) sowie der Zyklus „Vanitas“.

Bilder aus der Nähe betrachtet

Allen Kunstwerken von Markus Lüpertz ist eines zu eigen: der Mut. Der Mut zu Farbe, Form und Ausdruck. Ob es sich dabei um die Verarbeitung der Kriegshistorie Deutschlands handelt oder um Werke, die sich mit etwas leichtfüßigeren Themen beschäftigen. Blickt man auf die „Männer ohne Frauen – Parsifal“, verlangt man unwillkürlich nach der Antwort auf das „Warum“. Warum Männergesichter, warum Parsifal? Sind Männer ohne Frauen einsam? Sind sie auf der Suche?

 

Blicken sie mutig nach vorne in die Zukunft oder wehmütig und traurig in die Vergangenheit? Zum Nachdenken und ausgiebigen Betrachten laden auch Motive von Lüpertz ein, die Titel tragen wie „Der heilige Franziskus verhindert die Vernichtung der Ratten“ aus dem Jahr 1987 oder – aus der Spanischen Serie – die „Tänzerin (Flamenco) aus dem Jahr 1988.

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Kreativer Formwandel

In der Gestaltung von Kirchenfenstern fand Markus Lüpertz eine weitere Möglichkeit der kreativen Ausdrucksweise. Hier verbinden sich Licht und Glas zu einem ganz besonderen Element. Über den Tag hinweg unterliegen die Motive von Kirchenfenstern einer ureigenen Transformation, die der Betrachter staunend als wandelnden Lichtraum entdeckt. Eines der Fenster der Kölner Dominikanerkirche St. Andrews gestaltete Lüpertz mit einem auf den ersten Blick eher etwas unscheinbar wirkenden Blumenensemble. Der zweite Blick identifiziert Anhaltspunkte, die zur Interpretation verführen.

 

Sind es im oberen Drittel eher fein säuberlich angeordnete Blumen, füllen ihre Pendants die untere restliche Fläche derart, als betrachte man sie auf einer Naturwiese. Markus Lüpertz als „geheimer“ Rebell? Diese Kreationen, für die Markus Lüpertz verantwortlich zeichnete, unterliegen besonderen materiellen Regeln. Dennoch sind sie in der Lage, sich durch die meisterhafte Komposition und ihre geheimnisvolle Mixtur aus Licht und Schatten, Farbe und Form über das Allgemeingültige zu erheben und den Betrachter zu berühren.